Musik - Ein vom Aussterben bedrohtes Fach

Lassen wir diese „Blödelrechnungen“.  

 Klar dürfte sein, dass die Schulmusik bald verstummen wird, wenn man hier nicht umsteuert. Lesen Sie deshalb den Wunsch unserer beiden Elternvertreterinnen, die eine Mutter einer Preisträgerin von „Jugend musiziert“, die andere selbst Musikerin, und die Resolution unserer Musikschulen.

Vor der Schulzeitverkürzung und der Einführung der Ganztagsschulen konnten viele Defizite des schulischen  Musikunterrichts noch durch private Lehrer und die Musikschulen abgefangen werden. Das geht heute aus Zeitmangel nicht mehr.
(Quelle*: Anfrage des Landesschulbeirates vom September 2013 über den Stand 2012.)

Geben Sie uns weiter die Möglichkeit,  Musik auch mit dem Verstand genießen zu können.

Einen schönen Advent

Ihre

Lieselotte Stockhausen-Doering

Vorsitzende Landeselternausschuss - LEA
bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Was wäre Weihnachten ohne Musik?

Gerade in der Weihnachtszeit wird uns bewusst, dass unsere alte Traditionen, wie die Musik nicht wegzudenken sind. Wie sollte neben den Adventsbasaren, Konsumrausch mit Geschenken und Festschmäusen sonst eine festliche Stimmung aufkommen? Adventskonzerte mit schuleigenem Chor und Orchestern haben jetzt Hochkonjunktur. Würde man darauf in Zukunft verzichten wollen? 

Das Fach Musik wird seit Jahrzehnten stiefmütterlichst behandelt. Kreativität braucht jedoch Fachpersonal, Raum und Zeit - diese wird für das Fach Musik und Kunst aber immer knapper. Dafür wird es an Grundschulen in den nachmittäglichen Bereich geschoben: eine Kooperation mit der Musikschule soll es richten. Dass durch die Ganztagsschule und durch die Schulzeitverkürzung (G8) die Schüler jedoch täglich länger in der Schule sitzen und Kooperationen bisher nur sporadisch wirklich funktionieren, wird auch durch den unlängst verfassten Appell zum Jugendwettbewerb „Jugend musiziert“ des Deutschen Musikrates deutlich: der Nachwuchs bricht weg. 

Auch durch Vernachlässigung der Musikschulen als dem zweitem Standbein Musikalischer Bildung, das sonst immer noch Defizite aus den Schulen abfangen konnte, gehen durch prekäre Arbeitsverhältnisse und nicht öffentlich gemachte, stille Kündigungen von Lehrkräften, weiteres Mitstreiter für Musikalische Bildung in Berlin schon verloren. Sie sind unsere wertvollen Förderer Musikalischer Bildung, die bisher fundamental dazu beitrugen, dass überhaupt Konzerte in Schulen stattfinden können, weil sie die instrumentale Ausbildung leisten - was übrigens nur zu häufig vergessen wird, wenn eine Schule stolz ihr eigenes Orchester präsentiert. Damit schließt sich das Tor des Zugangs zur musikalischen Bildung für Sozialschwache. Die schichtübergreifende Teilhabe am Gemeinschaftsgefühl im Schulorchester wird dann wohl bald nicht mehr möglich sein. 

Wir wünschen uns ein Musikalisches Bildungskonzept, denn auch Wissenschaft, Handwerk, Unternehmen und Industrie brauchen Kreativität. Darum kann man Schule nicht auf reine Wissensvermittlung reduzieren. 

Es ist Zeit gegenzusteuern. Es bedarf eines durchgängigen Musikalischen Bildungskonzepts abgesichert durch ein Musikbildungsförderungsgesetz. Denn ohne fachliche Ziele, Meilensteine, Rahmenbedingungen und angemessene personelle und sächliche Mittel, gibt es auch keinen nachhaltigen Weg.

Die Kulturhauptstadt Berlin war und ist Musikstadt mit Weltgeltung. Sie hat daher nicht nur auf den Zuzug von Außen zu setzen, sondern ihre eigene Potentiale zu fördern.

Erika Takano Forck,
Christine Irscheid

 

 

Resolution der Zentralkonferenz der Wettbewerbe "Jugend musiziert":

"Jugend musiziert" fordert Freiräume für die musikalischen Talente
Der verdichtete Schulalltag bringt Nachwuchsmusiker in Bedrängnis

Seit 50 Jahren steht der Wettbewerb „Jugend musiziert“ für Qualität in der musikalischen Jugendbildung. In seinen drei Ebenen erreicht er jedes Jahr mehr als 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ist damit international einer der größten und erfolgreichsten Musikwettbewerbe. „Jugend musiziert“ ist eine einzigartige Institution in der kulturellen Bildungslandschaft. Mit seinen Regularien und Bewertungskriterien hat der Wettbewerb einen Rahmen geschaffen, der künstlerisch und pädagogisch Maßstäbe setzt und musikalische Leistungen bewertbar macht.
„Jugend musiziert“ motiviert Kinder und Jugendliche zu musikalischem Engagement, fördert einen hohen Anspruch an die eigene künstlerische Leistung und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen.   

Die veränderten strukturellen Rahmenbedingungen im schulischen Bereich (G8, Ganztagsschule) stellen alle kulturellen Bildungseinrichtungen vor erhebliche Probleme. So beobachten die Organisatoren von „Jugend musiziert“ rückläufige Teilnehmerzahlen, da eine zeitintensive Beschäftigung mit der Musik neben dem sich immer weiter ausdehnenden Schulalltag kaum noch möglich ist.

Damit ist die qualitätsvolle Ausbildung unseres musikalischen Nachwuchses gefährdet.

Daher sind der Projektbeirat und die Landes- und die Regionalausschüsse des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ davon überzeugt, dass das anspruchsvolle Musizieren in der allgemeinbildenden Schule wieder einen höheren Stellenwert erhalten und in die schulischen Strukturen stärker eingebunden werden muss. Sie fordern, im Rahmen des regulären Stundenplans ebenso wie in der Ganztagsbetreuung Freiräume zu schaffen, die den individuellen Instrumental- und Vokalunterricht, das Üben und das Ensemblespiel während des Schultags ermöglichen.

Wir fordern weiterhin die Einbindung und Anerkennung von Wettbewerbsleistungen in den schulischen Kontext, beginnend mit dem Regionalwettbewerb. Im Einvernehmen mit den zuständigen Lehrkräften der allgemeinbildenden Schulen sollen Wege gefunden werden, Wettbewerbsleistungen in den Zeugnissen als besonderen Eintrag und/oder in der Musikzensur zu berücksichtigen. Darüber hinaus soll in allen Bundesländern die Möglichkeit geschaffen werden, individuellen Instrumental- und Vokalunterricht als Wahlpflichtfach anzuerkennen.

LANDSHUT, 10. NOVEMBER 2013