In der heutigen Sitzung des Landeselternausschusses Schule (LEA) stand ein Thema im Mittelpunkt, das viele Eltern seit Jahren beschäftigt: Wie gelingt es Berlin, die Bildungsqualität spürbar zu verbessern – und zwar so, dass es bei den Kindern ankommt? Als LEA vertreten wir berlinweit die Interessen der Eltern gegenüber der für Schule zuständigen Senatsverwaltung und bringen die Perspektive der Eltern in die schulpolitische Debatte ein.

Zu Gast war Senatorin Katharina Günther-Wünsch. Sie stellte dem Gremium die „Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin“ vor. Ausgangspunkt der Strategie ist die Diagnose, dass Berlin beim Erreichen von Mindeststandards – insbesondere in Deutsch und Mathematik – seit Jahren Rückgänge verzeichnet. Ziel ist deshalb ausdrücklich eine Trendumkehr: Mehr Kinder und Jugendliche sollen die Mindeststandards erreichen, und zwar über alle Bildungsphasen hinweg.

In der Präsentation wurde deutlich, dass es nicht bei einzelnen Maßnahmen bleiben soll, sondern ein systematischer Kurswechsel angestrebt wird. Die Strategie benennt drei Maximen: bildungsphasenübergreifend zusammenarbeiten, datengestützt und ergebnisorientiert handeln sowie Verbindlichkeit herstellen – also klare und transparente Erwartungen an die beteiligten Akteure.

Die Umsetzung wird in drei Handlungsfeldern beschrieben: erstens datengestützte Qualitätsentwicklung und Steuerung (inklusive gemeinsamer Datenbasis und Qualifizierung für den Umgang mit Daten), zweitens Qualitätsentwicklung der Bildungsangebote (Fokus auf wirksame Unterrichts- und Förderansätze) und drittens Sozialraumorientierung und die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule – auch mit Blick auf multiprofessionelle Unterstützung und sozial-emotionale Kompetenzen.

Für die nächsten Schritte wurden u. a. der Start von VERA-Data für die Jahrgänge 3 und 8, ein VERA Re-Test, die Stärkung von Fach- und Fachbereichsleitungen als „mittleres Management“ sowie die Weiterentwicklung des Schulvertrags in Richtung datengestützter Zielvereinbarungen (ab 2026/27) dargestellt.

Fishbowl zum ersten Mal: konzentrierter Austausch nach der Präsentation

Im Anschluss an die Vorstellung haben wir im LEA erstmals ein neues Diskussionsformat erprobt: eine Fishbowl. In mehreren Runden wurden zentrale Fragen gebündelt diskutiert – fokussiert, dynamisch und mit wechselnden Perspektiven. Das Format hat geholfen, die wichtigsten Punkte schnell sichtbar zu machen und Diskussionen zu verdichten: Wo liegen Chancen? Wo Risiken? Und was braucht es, damit aus Strategie tatsächlich bessere Bildung wird?

Runde 1: Daten nutzen – aber verantwortungsvoll

Positiv aufgenommen wurde, dass Leistungsdaten künftig systematischer genutzt werden sollen, um Entwicklungen sichtbar zu machen und gezielter zu unterstützen. Gleichzeitig hat das Gremium klar benannt: Wenn Daten (auch aggregiert) breiter in Gremien wie Schulkonferenzen einfließen sollen, braucht es eine saubere rechtliche Grundlage und einen sensiblen Umgang. Diskutiert wurde auch das Spannungsfeld zwischen „Verbindlichkeit“ und der Frage, wie sich das mit Freiwilligkeit bei bestimmten digitalen Tools in der Praxis verträgt. Wichtig war vielen: Datennutzung darf nicht zu Druck oder Stigmatisierung führen – sondern muss Förderung ermöglichen.

Runde 2: Kind im Mittelpunkt – Vielfalt ernst nehmen

In der zweiten Runde stand die Perspektive der Kinder im Zentrum. Es wurde thematisiert, wie Testungen und daraus abgeleitete Maßnahmen der Vielfalt von Kindern gerecht werden können – insbesondere mit Blick auf Neurodivergenz und unterschiedliche Ausgangslagen. Der Tenor: Testung kann ein Startpunkt sein, aber sie darf kein Etikett werden. Gleichzeitig wurde angeregt, Begabungsförderung stärker mitzudenken. Ein weiterer Schwerpunkt war Beteiligung: Aus reiner Information von Eltern- und Schulgremien muss häufiger echte Mitgestaltung werden – erst beraten, dann entscheiden.

Runde 3: Umsetzung in der Realität – Technik, Qualifizierung, Kulturwandel

In der dritten Runde wurde es sehr konkret. Als große Hürden wurden Qualifizierung und ein notwendiger Kulturwandel benannt – Veränderung braucht Kontinuität und Verlässlichkeit. Auch praktische Fragen zur Umsetzung, etwa zu VERA digital (Hardware, Support, digitale Kompetenzen), wurden diskutiert. Deutlich wurde zudem: Kooperation zwischen Schulen und im Sozialraum kann entlasten und wirksamer machen – sie braucht aber klare Zuständigkeiten und funktionierende Strukturen.

Einordnung aus Sicht des LEA

Der LEA begrüßt, dass die Senatsverwaltung die Herausforderungen bei den Basiskompetenzen offen anspricht und stärker systematisch arbeiten will. Gleichzeitig bleiben aus Elternsicht drei Punkte zentral:

  1. Daten müssen Förderung ermöglichen – nicht Druck erzeugen. Transparenz braucht klare Regeln, damit Kinder nicht stigmatisiert werden und Datenschutz konsequent gewahrt bleibt.
  2. Verbindlichkeit ohne Ressourcen funktioniert nicht. Wenn digitale Verfahren, Tests und Maßnahmen flächendeckend eingeführt werden sollen, müssen die Voraussetzungen an Schulen (Technik, Support, Zeit und Qualifizierung) realistisch mitgedacht und gesichert werden.
  3. Beteiligung ist kein Zusatz, sondern Voraussetzung. Wenn Steuerungsinstrumente und Abläufe verändert werden, müssen Elternvertretungen und Schulgremien frühzeitig und substanziell einbezogen werden – nur so entstehen Akzeptanz und eine tragfähige Umsetzung.

Die Fishbowl-Premiere hat gezeigt: Das Format kann den Austausch im LEA stärken, weil es Perspektiven bündelt und Diskussionen fokussiert. Wir werden die Erfahrungen intern auswerten – und bleiben an den Punkten dran, die für Eltern und Kinder entscheidend sind: Wirksamkeit, Fairness, Beteiligung und gute Rahmenbedingungen an Berlins Schulen.