Schulkonferenz der Gustav-Langenscheidt-Schule: Reaktion auf Presseberichte zu angeblichen Mobbingvorfällen - Kommentar einer Schülerin

  
 
Die Schulkonferenz der Gustav-Langenscheidt-Schule befasste sich aus gegebenem Anlass in ihrer Sitzung am 10.11.2010 mit 2 Zeitungsartikeln (Süddeutsche Zeitung vom 9.11.10 S.3 und BZ v. 10.11.10) und nimmt dazu wie folgt Stellung:
  
  

Die Schulkonferenz protestiert in aller Schärfe gegen Inhalt und Machart der genannten Artikel.  
 

Ohne Recherche vor Ort und ohne Rücksprache mit der Schule wurden Behauptungen eines ehemaligen Mitarbeiters, der insgesamt 4 Wochen an der Schule eingesetzt war, aufgegriffen und unter dem Thema: Deutschenfeindlichkeit an der Gustav- Langenscheidt-Schule  in einen tagesaktuellen hochbrisanten politischen Zusammenhang gebracht. Der ehemalige Mitarbeiter konnte sich zu diesem Zeitpunkt keinen Überblick über die gesamte pädagogische Arbeit der Schule verschafft haben.

 

Dies bedeutet für Schülerschaft, Eltern und Kollegium der G-L-Schule eine massive Diskriminierung und Stigmatisierung, gegen die sich die Schulkonferenz als Vertretung aller drei an Schule beteiligten Gruppen energisch verwahrt.

 


   
 

Die Gustav-Langenscheidt-Schule ist eine ehemalige integrierte Haupt/ Realschule, die seit mehr als 10 Jahren bewiesen hat, dass eine gemeinsame Beschulung von Schülern mit unterschiedlicher Bildungsgangempfehlung erfolgreich sein kann. Diese Tatsache, die sich anhand der Abschlüsse deutlich nachweisen lässt, war eine der Voraussetzungen für den Start als integrierte Sekundarschule.
Die Gustav-Langenscheidt-Schule ist eine Schule im sozialen Brennpunkt, das bedeutet, dass seit Jahren die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und solcher mit sozialer Benachteilung steigt. Die daraus resultierenden Probleme in der pädagogischen Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern und die besonderen Anforderungen in der Kooperation mit den Eltern wurden und werden von der Schule wahrgenommen und durch entsprechende Konzepte werden Lösungen  angestrebt.

 

Die  Umsetzung der Strukturreform und die Gründung der integrierten Sekundarschule bedeuten hingegen für die Schulen eine zentrale Herausforderung, der sich die G-L-Schule gestellt hat, obwohl die Rahmenbedingungen (Personal, Räume, Essenversorgung u.a.) völlig unzureichend waren und sind.

 

Die Bemühungen der Schule durch ihre Konzepte zur Sprachförderung, zur Abschlussorientierung und Erziehung zu Toleranz und Kooperationsfähigkeit erfolgreich auch und gerade mit einer ethnisch vielfältigen und schwierigen Schülerschaft zu arbeiten, werden diskreditiert und durch äußerst problematische populistische Äußerungen abgewertet.

 

Jahrzehntelange verfehlte Integrationspolitik kann nicht von einzelnen Schulen und dem Bildungswesen insgesamt ausgeglichen werden, dazu bedarf es gravierender politischer Maßnahmen, die keineswegs weitere Ausgrenzung und Diskriminierung zur Folge haben sollten.

 

Die oben genannten Artikel sind in ihrer gesellschaftspolitischen Wirkung nicht absehbar und als äußerst fahrlässig einzustufen, da sie Vorurteile bestärken und politisch extreme Positionen argumentativ bedienen.

 

Die Schulkonferenz der Gustav Langenscheidt Schule

 

 

 


Vorurteile

 

Ich bin ein deutschstämmiges Mädchen, 16 Jahre, gehe in die 10/1 und gehe gerne in die Gustav Langenscheidt- Oberschule. Ich habe viele ausländische Freundinnen und verstehe mich auch gut mit anderen Migrationschülern. Ja, ich fühle mich wohl!
Ich gehe jetzt seit 4 Jahren in diese Schule und hatte noch keinerlei Erlebnisse mit „Mobbing“

 

Wie definiert man Mobbing?

 

Für Herr Knorr sind wir alle gleich. Er macht keinen Unterschied zwischen den  7.ten und 10.ten Klassen. Das ist falsch! Ich gehe in die 10/1, einer sehr ruhigen und tollen Klasse. Jeder versteht sich mit jedem. Natürlich hat man auch mal Tage, an denen man sich nicht so toll versteht. Wörter wie „Schlampe“, „Kanake“ oder sonstige Wörter sind in unserer pubertierenden Art völlig normal. So ist das auch in den anderen Klassen. Die 7.-klässler, bekommen ihr Verhalten leider auch von der Grundschule mit. Die 7. ten mussten ihr „Grundschulleben“ für die Oberschule verlassen. Sie waren in der 6. Klasse die „Größten“ und nun ein Neustart mit 20 neuen Schülern aus unterschiedlicher Herkunft,, mit denen man 4 Jahre zusammen als Klasse sein muss?

 

Ich möchte aber auch nicht die Schuld den „Kleinen“ geben, ich habe Verständnis für ihr Verhalten. Und ich finde, man sollte sie auch respektieren, dass sie eben noch heranwachsende Kinder sind.
Sie sind in der Oberschule die „Kleinsten“ und müssen sich erst noch anpassen. Es ist alles neu und unbekannt. Spätestens in der 8. Klasse bekommen sie das Gefühl „groß“ zu werden. Spätestens in der 10. Klasse wird ihnen bewusst, dass sich die Schulzeit dem Ende zuneigt, so dass sie bald auf eigenen Beinen stehen müssen. Jetzt  toben sie sich noch so richtig aus, möchten cooler als der andere sein und möglichst der Beste von allen. So fühlte ich mich damals in der 7ten Klasse auch. Das ist ganz normal! Ich hatte Angst, keine Freunde oder schlechte Noten zu bekommen. Dies hat sich aber schnell gegeben. Klar kamen Provokationen von damals zwischen den 8- 9- und 10- Klässlern immer vor. Nun sind es die 7ten.

 

Herr Knorr hatte einen schlechten Eindruck von ihnen bekommen, aber er sah nicht den wirklichen Ablauf der Schule. Ich finde es erschreckend, wie Herr Knorr alle über einen Kamm schert. 
82% Ausländeranteil, da würde man doch als Elternteil denken „Um Himmel’s willen! Das ganze Ausländerpack? Und mein Sohn/Tochter auf diese Schule? Nein danke!“ Eltern, die so denken, liegen falsch. Dies ist ein Vorurteil über die Schule, mit dem sie schon lange leben muss. Denn so ist unsere Schule nicht. Man wird sehr gefördert, es wird einem viel beigebracht, man wird gut auf den MSA vorbereitet und auf das spätere Berufsleben (das Leben nach der Schulzeit). Wir durften 2 verschiedene Praktika machen und manchen hat es sehr geholfen, sich ihren Berufswunsch auszusuchen. Eine Freundin von mir hat sogar eventuell einen Ausbildungsplatz!

 

Durch die Aktion von Herrn Knorr wird unsere Chance auf einen Arbeitsplatz  leider sinken. Ich meine solche negativen Zeilen in der SZ und in BZ helfen unserer Suche nach einem Ausbildungsplatz nun wirklich nicht. Arbeitgeber könnten sich dabei allerlei Falsches zurecht sortieren. Falsche Eindrücke könnten entstehen und haften bleiben.
Herr Knorr verlor seinen Job und wir haben vielleicht nicht mal eine Chance! 

 

http://www.gustav-langenscheidt.schule-berlin.net/schule/news/news_infos.htm

 

 

 

Siehe auch:

 

 

"Wir achten nicht auf Herkunft"

 

http://www.homepage.berliner-landeselternausschuss.de/index.php?option=com_content&view=article&id=943:qwir-achten-nicht-auf-herkunftq&catid=61:mobbing-gewalt-an-schulen&Itemid=69

 

 


Dossier: Mutmaßliches Mobbing gegen deutsche Kinder

 

http://www.homepage.berliner-landeselternausschuss.de/index.php?option=com_content&view=article&id=636:dossier-mutmassliches-mobbing-gegen-deutsche-kinder&catid=61:mobbing-gewalt-an-schulen&Itemid=69