Turbo-Abi ist für Eltern ein „Riesenproblem“ -- Problemfach Mathe

17.12.2010 09:47 Uhr
Von Patricia Hecht

2012 wird es voll in den Prüfungsräumen. Dann machen gleich zwei Jahrgänge ihr Abitur.

 

2012werden zwei Jahrgänge gleichzeitig das Abitur ablegen. Wegen der Umstellung müssen die „Turbo-Abiturienten“ im Eiltempo Stoff nachholen. Die Erfahrungen von Lehrern, Eltern und Schülern damit sind unterschiedlich.

 

 

Die Empörung war groß: Bei einer Veranstaltung des Landeselternausschusses war von einer „dramatischen Lage“, von „Riesenproblemen“ und „extrem benachteiligten Schülern“ die Rede. Anlass des Ärgers ist der doppelte Abiturjahrgang, bei dem zwei Jahrgänge gemeinsam lernen. Beide Jahrgänge werden das Abitur 2012 ablegen – die Älteren nach 13, die Jüngeren nach zwölf Jahren. Wie die meisten anderen Bundesländer verkürzt auch Berlin die Gymnasialzeit.

Die Eltern der „Turbo-Abiturienten“, die wegen der Umstellung im Eiltempo Stoff nachholen mussten, berichteten, dass in den ersten gemeinsamen Klausuren zum Teil eklatante Unterschiede bei den Noten festgestellt wurden.

Die Differenz zwischen den beiden Jahrgängen liege zum Teil bei 1,7 Notenpunkten, sagte ein Vater aus Mitte. Die Elternvertreterinnen der Zehlendorfer Droste-Hülshoff- und Werner-von-Siemens-Gymnasien sagten, auch vormals gute Schüler schrieben in Mathe und Physik plötzlich Vieren und Fünfen. Die Lehrer seien ob der „Gemengelage“ in den Kursen, in denen die Jahrgänge zum Teil gemischt lernen, außerdem „völlig überfordert.“

 

Zwar verwies Christina Rösch, die in der Senatsbildungsverwaltung für die Gymnasien zuständig ist, auch auf die Vorbereitungen, die für den Doppeljahrgang getroffen wurden: Die Lehrpläne seien verändert worden, es werde mehr Gewicht auf „Kompetenzen“ als auf abfragbares Wissen gelegt. Die Jüngeren hatten bereits in der zehnten Klasse mehr Stunden als die Älteren und belegen auch jetzt mehr Kurse, haben also eine größere Auswahl, welche Kurse sie ins Abitur einbringen. Dennoch stelle sich nun heraus, dass „diese Vorbereitungen völlig ungenügend waren“, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses (Lea) Günter Peiritsch.

Aus anderen Schulen wie etwa dem Biesdorfer Otto-Nagel-Gymnasium oder dem John-Lennon-Gymnasium in Mitte hieß es derweil, bis auf wenige Ausnahmen laufe es recht gut. Die jüngeren Schüler hätten sogar eine bessere „Arbeitshaltung“ als die Älteren. Der Vorsitzende der Vereinigung der Oberstudiendirektoren Ralf Treptow sagte, an seiner Schule, dem Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium, mache er die Beobachtung, dass die vormals guten Schüler auch jetzt wieder zu den Guten gehörten. Dass die schlechteren Schüler Probleme hätten, hänge nicht mit dem Doppeljahrgang zusammen. Er halte außerdem nichts von „punktuellen Beobachtungen“ der Klausurnoten, sagte Treptow. Die Semesterzeugnisse müssten ausgewertet werden.

Das versprach Christina Rösch. Die Senatsverwaltung werde die Noten nach den Weihnachtsferien „systematisch abfragen“. Einzelne besonders krasse Fälle wie am Werner-von-Siemens-Gymnasium müssten geprüft werden. Nach wiederholten Forderungen der Eltern, die auf Chancengleichheit ihrer Kinder pochten, sagte Rösch außerdem zu, prüfen zu lassen, ob im Hinblick auf die Noten ein „Ausgleichsverfahren“ zwischen den Jahrgängen möglich sei. Bereits im April hatte es aus der Verwaltung allerdings geheißen, dies sei rechtlich nicht möglich.

 

http://www.tagesspiegel.de/berlin/turbo-abi-ist-fuer-eltern-ein-riesenproblem-/3626890.html

 

 

 

15.12.2010
Turbo-Abitur

Problemfach Mathe
 

 

Noch mehr Andrang: Im Jahre 2012 wird in Berlin ein „doppelter Jahrgang“ die Abiturprüfung ablegen. Nicht alle sind damit einverstanden. von Martin Klesmann

 

Berlin - Seit Schuljahresbeginn gibt es den „doppelten Abiturjahrgang“. Vormalige Zehntklässler lernen nun gemeinsam mit ein Jahr älteren Schülern. Dabei müssen die jüngeren Schüler im Eiltempo Lernstoff nachholen, den die älteren Mitschüler schon gelernt haben. 2012 werden die Älteren das Abitur letztmalig in Berlin nach 13 Schuljahren erreichen, die Jüngeren legen die Abiturprüfung dann schon nach zwölf Jahren ab. Der Grund: Berlin verkürzt wie die meisten anderen Bundesländer die Zeit zum Abitur auf 12 Jahre.

 

Allerdings gibt es in dem „doppelten Abiturjahrgang“ – die meisten Schüler sind derzeit zwischen 16 und 18 Jahre alt – noch erhebliche Probleme. Das zeigte sich jetzt bei den ersten Klausuren, die die beiden Jahrgänge gemeinsam geschrieben haben. Insbesondere in Mathe, mitunter auch in Englisch oder Physik, schneiden die Jüngeren an einigen Schulen und in einigen Kursen deutlich schlechter ab.

 

„Nach einem Abgleich der Klausurergebnisse müssen wir feststellen, dass der jüngere Jahrgang insgesamt leicht schlechter abschneidet“, sagt etwa Bernd Kokavecz, Schulleiter des renommierten Humboldt-Gymnasiums in Tegel. In Mathe betrage der Unterschied gar 1,5 Punkte, also eine halbe Note. Und in Englisch sind es 1,2 Punkte. Drei Punkte sind eine ganze Zensur.

 

Bliebe es bei dieser Entwicklung, könnte dies mindestens ein Zehntel einer Abiturnote ausmachen. Das wäre relevant für den Numerus clausus an den ohnehin überlaufenen Universitäten. Auch am Fichtenberg-Gymnasium in Steglitz schnitten jüngere Schüler in den Mathe-Grundkursen schlechter ab als ihre älteren Mitschüler.

 

„Es geht um zwei, in einem Fall sogar um drei Punkte, also eine ganze Note“, sagt Schulleiter Rainer Leppin. Man biete Mathe-Zusatzkurse an. In anderen Fächern gebe es kaum Probleme. In Reinickendorf lässt sich die Schulaufsicht die Noten vorlegen: An Schulen, die wie das Rolland-Gymnasium die Jahrgänge weitgehend getrennt unterrichten, ist es weniger problematisch.

 

Schulleiter begründen die mitunter auftretenden Defizite der Jüngeren damit, dass die Vorbereitungskurse im 11. Jahrgang weggefallen seien. Da die jüngeren Schüler deutlich mehr Stunden als ihre älteren Mitschüler belegen müssen, haben sie zudem wenig Zeit, intensiv für ein Schulfach zu lernen.

 

Ausgerechnet angesichts dieser Herausforderungen soll die für die Gymnasien zuständige Verantwortliche in der Schulverwaltung, Christina Rösch, abgelöst werden. Die anerkannte Rösch, die den vakanten Posten vor einem Jahr übernahm, soll nach internen Plänen durch die persönliche Referentin der Staatssekretärin Claudia Zinke (SPD) ersetzt werden.

 

Die persönliche Referentin soll nicht allzu gut mit ihrer Chefin harmonieren und nun auf den gleich dotierten Posten versetzt werden, der ihr bereits versprochen worden sei. Der Landeselternausschuss protestierte bereits.

 

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Unterricht auch am Wochenende

 

Info-Veranstaltung: Der Landeselternausschuss informiert am Mittwoch bei einer Veranstaltung im Roten Rathaus über den „doppelten Abiturjahrgang“. Dabei geht es ab 19 Uhr im Raum 338 um die Frage, wie Schulen die Wissenslücken in der jüngeren Altersgruppe schließen können.

 

Maßnahmen: Schon ab der 7. Klasse hatten jüngere Schüler ein größeres Unterrichtspensum zu absolvieren. Derzeit bieten einige Gymnasien Mathe-Stützkurse auch am Wochenende an. Außerdem können jüngere Schüler zusätzliche Mathekurse belegen. Lehrer geben zu bedenken, dass der Reifegrad der Schüler unterschiedlich sei.

 

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/323053/323054.php

 

 

 

Siehe auch:

 

 

Wie müssen Schulen den Doppeljahrgang organisieren?

 


http://www.homepage.berliner-landeselternausschuss.de/index.php?option=com_content&view=article&id=790:wie-muessen-schulen-den-doppeljahrgang-organisieren&catid=38:schulrecht-allgemein&Itemid=98

 

 

 

Wiederholung der elften Klasse: Geht das im Doppeljahrgang?

 


http://www.homepage.berliner-landeselternausschuss.de/index.php?option=com_content&view=article&id=928:wiederholung-der-elften-klasse-geht-das-im-doppeljahrgang&catid=38:schulrecht-allgemein&Itemid=98