PM: Landesbeirat Digitalisierung mit schwierigen Aufgaben und noch unvollständig in der Besetzung

Der Landeselternausschuss begrüßt die am 02.12.2020 verkündete Konstituierung des Landesbeirates Digitalisierung durch die Senatsbildungsverwaltung. Wir haben bereits im März die Einrichtung eines solchen Gremiums per Beschluss gefordert und Ende November einen weiteren Beschluss zum Thema gefasst.

Besser spät als nie, wie bei so viele Entscheidungen der letzten Wochen und Monate mag man denken, aber die Probleme in diesem Bereich sind auch gewaltig.

In das Lastenheft des Beirates gehören auch am Ende des Jahres 2020 unverständlicherweise noch die grundsätzlichen Fragen, wie Digitalisierung im Berliner Bildungssystem gelingen kann. Die Ausgangslage ist denkbar schlecht und beginnt mit der Bandbreite der Anschlüsse der Schulen in der Hauptstadt Deutschlands. Nach einer eigenen Auswertung des Landeselternausschusses durch unseren Kollegen Thomas Tursics auf Basis von Kleinen Anfragen des Abgeordneten Mario Czaja kann z. B. in 42% der allgemeinbildenden Schulen eine (1) Videokonferenz gleichzeitig gestreamt werden. Grund ist die unlängst verschlafene Ausschreibung von Breitbandglasfaseranschlüssen für die Berliner Schulen. Es deutet sich aktuell an, dass die Vergabe im Spätsommer 2021 abgeschlossen sein könnte. Die Auswertung der vorhandenen Bandbreiten an Schulen hat unser Kollege auf einer Karte unter http://tursics.de/story/schule-breitband-2020/ visualisiert. Auf den ersten Blick lässt sich erkennen, dass es hier deutlichen Nachholbedarf gibt, damit die Digitalisierung überhaupt starten kann. Immerhin haben drei Bezirke das Maximum an Internet-Geschwindigkeit durch Erhöhung auf die verfügbare Bandbreite herausgeholt.

Auf die Vorschläge des Landeselternausschusses sogenannte Popup-Internetlösungen an die Schulen zu holen, hat die Senatsbildungsverwaltung bis heute nicht reagiert. Mittlerweile ist der erste große deutsche Mobilfunkdienstleiter mit einer Bildungsflatrate gestartet. Nach der o. g. Auswertung könnten z. B. über 99% der Schulen auf diesem Weg über Mobilfunk temporär schnelles Internet bekommen. Für monatlich 10€ gibt es einen Datentarif mit unbegrenztem Datenvolumen und höchster Geschwindigkeit. Zudem garantiert die mobile Lösung den Anschluss zu Hause, sodass auch im hybriden Unterricht die Schüler*innen gleiche Voraussetzungen haben. Ob das jetzt die im Bildungsgipfel im August angekündigten Tarife sind, ist uns aber noch unklar.

Die ursprüngliche Reihenfolge in der Priorisierung der Verteilung der Mittel aus dem Digitalpakt hat die Senatsbildungsverwaltung so angepasst, dass Schulen jetzt auch die interaktiven Tafeln in der Beschaffung vorziehen können. Ohne den zumeist fehlenden Strom- und Netzwerkanschluss ist der Betrieb jedoch nur sehr eingeschränkt möglich und sinnvoll.

Neben der Hardwarefrage stellt sich auch die Softwarefrage. Der Lernraum Berlin wurde quasi übernacht zur Lernplattform für viele Schulen. Mit kleinen Startproblemen, ob des plötzlichen Ansturms, hat sich der Lernraum Berlin zu einer verlässlichen Grundlage für digitale Angebote von Lehrkräften für die Schüler*innen entwickelt. Es schlummert jedoch noch viel Potenzial im Lernraum, das es zu heben gilt. Die Umstellung der Videokonferenzlösung auf BigBlueButton sei als Beispiel genannt. In anderen Bundesländern ist die Open-Source-Videokonferenz-Software längst Standard. Berlin hinkt hier leider hinterher.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schaffung von Rechtssicherheit für Schulen in der Frage der einsetzbaren Programme und digitalen Tools.

Abschließend bemängeln wir das Fehlen von Vertreter*innen aus dem Grundschulbereich, denn Digitalisierung beginnt nicht erst in Klasse 7. Es fehlen auch Vertreter*innen der Menschen mit Behinderungen, denn Barrierefreiheit ist auch bei Digitalisierung ein wichtiges Thema. In vielen Schulen wird die Expertise der Elternschaft gern genutzt, deshalb ist es unverständlich, warum der Landeselternausschuss nicht in den Beirat berufen wurde. Wir möchten die Interessen der Eltern auch in diesem Beirat vertreten und fordern die Senatsbildungsverwaltung auf, uns ebenfalls in das Gremium zu berufen.