PM: Qualitätskommission tief mit dem Finger in der offenen Wunde des Berliner Bildungssystems

Heute wurde der Abschlussbericht der Qualitätskommission vorgelegt, die u. a. als Konsequenz einer deutlichen Unmutsbekundung seitens des Landeselternausschusses Schule zu Beginn des Schuljahres 2019/2020 auf den Weg gebracht wurde.

Der Landeselternausschuss war in der Praxiskommission der Qualitätskommission vertreten und konnte sich somit aktiv in die Arbeit einbringen. Wir danken an dieser Stelle allen Beteiligten für die gemeinsame Arbeit auf Augenhöhe.

Im Fazit können wir uns den Analysen und Beurteilungen der Expert*innen-Kommission zum Berliner Bildungssystem weitgehend anschließen. Die Beobachtungen legen den Finger tief in die offene, blutige Wunde des Berliner Bildungssystems.

Die erarbeiteten Handlungsempfehlungen begrüßen wir in den allermeisten Punkten. Nach den 39 Qualitätsmaßnahmen der Senatsbildungsverwaltung vom 23.01.2019 stellt der Abschlussbericht nun sehr klar und deutlich die darüber hinausgehenden notwendigen Änderungen im Berliner Bildungssystem heraus.

Unterstreichen und ergänzen möchten wir folgende Punkte, zu denen sich der Landeselternausschuss Schule in den letzten Jahren auch im Rahmen von Beschlüssen und Maßnahmenkatalogen positioniert hat:

  • klare Fokussierung auf den qualifizierten Erwerb von sprachlichen und mathematischen Kompetenzen
  • Prüfung zum Mittleren Schulabschluss an Gymnasien auf Wunsch der Schüler*innen (Freiwilligkeit)
  • Verpflichtung zur zielorientierten Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Vergleichsarbeiten (VERA). Die Rückschlüsse aus den VERA Ergebnissen sollen in allen schulischen Gremien (Gesamtelternvertretung, Gesamtkonferenz, Schulkonferenz und Fachkonferenzen) und auf Elternabenden transparent und verständlich vorgestellt sowie Maßnahmen für einzelne Schüler*innen abgeleitet und umgesetzt werden.
  • direkte Vernetzung und Verzahnung aller Institute (LISUM, ISQ usw.) durch Aufbau eines gemeinsamen Landesinstitutes mit Sitz in Berlin
  • Ausbau und intensivere Nutzung des Indikatorenmodells
  • Stärkung der differenzierten Rückmeldung zu Arbeiten und Leistungskontrollen
  • wesentlich differenziertere Ausrichtung der Studieninhalte für Lehramtsstudierende der Sekundarstufe I
    Das gemeinsame Studium mit den Monobachelor-Studierenden und die gleichzeitige Fokussierung der Dozent*innen auf die „Monos“ führt zu einer unnötig hohen Zahl von Studienabbrechenden in der Gruppe der Lehramtsstudierenden.

Von der Senatsbildungsverwaltung erwarten wir umgehend konkrete Aussagen, wie sie die Empfehlungen der Qualitätskommission in die Praxis umsetzt. Einige davon sind längerfristig angelegt und werden nur noch vereinzelt für die derzeit in Schule befindlichen Kinder und Jugendlichen positive Veränderungen bewirken.

Es braucht einen generellen Strategiewechsel, kein vom Ganzen losgelöstes Abarbeiten singulärer Problemfelder. Auch hierbei unterstützen wir die Empfehlung zur Einberufung einer Bildungskommission, wie im Abschlussbericht skizziert.

Für die akut klaffende Wunde des Berliner Bildungssystems reichen keine Pflaster mehr! Wir erwarten nach knapp 12 Monaten Qualitätskommission und noch knapp 12 Monaten bis zur Abgeordnetenhauswahl konkrete, erfolgversprechende Maßnahmen zur Wundheilung durch Sandra Scheeres. Andernfalls müssen wir uns die Frage stellen, ob sich Berlin eine Bildungssenatorin leisten kann, die sich ein Jahr lang nur noch auf den Ruhestand vorbereitet.

Wer auch immer Ende 2021 die bildungspolitische Verantwortung für Berlin übernimmt, muss den durch die Qualitätskommission angeregten Prozess fortsetzen!

pdficon large Abschlussbericht zum Herunterladen